Sulzregulierung 1920 – 1924

Die Regulierung der Sulz in Berching zwischen 1920 und 1924 war ein massives Infrastrukturprojekt, das das Stadtbild bis heute prägt. Es handelte sich dabei um eine technische Meisterleistung der damaligen Zeit, die vor allem durch Handarbeit und den Einsatz lokaler Materialien bestach.

Bevor die Sulz reguliert wurde, neigte der Fluss zu extremen Hochwassern. Das gesamte Tal zwischen Berching und Plankstetten glich bei Starkregen oder Schneeschmelze oft einem riesigen See. Da die historische Altstadt tiefer liegt, waren Kellerflutungen und Schäden an den Fundamenten der mittelalterlichen Gebäude an der Tagesordnung. Bis zur Regulierung der Sulz stand das Wasser bei Überschwemmungen oft meterhoch in den Häusern. (Bild mit den Hochwassermarkierungen in der Stadtpfarrkirche.)

Die Baumaßnahmen (1920–1924)

Das Projekt wurde vom damaligen Kulturbauamt Regensburg geplant und vom Berchinger Baumeister J.B. Netter umgesetzt. Ziel war es, die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen und das Wasser kontrolliert an der Stadt vorbeizuführen.

  • Kanalisierung: Die ehemals stark mäandrierende (schlangenförmige) Sulz wurde begradigt. Man schuf ein definiertes Flussbett, eine sogenannte Künette.

  • Handarbeit und Material: Der Hochwasserkanal wurde fast ausschließlich in reiner Handarbeit errichtet. Als Material verwendeten die Arbeiter tonnenweise Jurastein aus der Region.

  • Ufermauern: Es wurden mächtige, teils meterhohe Stützmauern errichtet, die das Flussbett einfassten. 

  • Arbeitsbeschaffung: Die Bauzeit fiel in die schwierigen Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und die beginnende Hyperinflation. Das Projekt diente daher auch als wichtige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die lokale Bevölkerung.

  • Interessanter Fakt: Die Regulierung war so effektiv, dass sie die Stadt über Jahrzehnte vor schweren Fluten schützte. Erst mit dem Bau des Main-Donau-Kanals in den 1990er Jahren änderte sich die Hydrologie der Region erneut grundlegend, da die Sulz heute teilweise über das Kanalsystem gesteuert wird.