Eis aus dem Kanal

Bevor moderne Kühlräume existierten, bewahrten die Brauereien ihre Bierfässer in speziellen Eiskellern auf, über die damals jeder Betrieb verfügte. In den Wintermonaten wurde das benötigte Eis am Ludwig-Donau-Main-Kanal gewonnen – eine mühsame Arbeit, für die zahlreiche Helfer benötigt wurden. Diese bezogen die Brauereien meist aus den umliegenden Ortschaften; insbesondere Maurer, die im Winter saisonal bedingt arbeitslos waren, verdingten sich dann als Eisarbeiter.

Da die Winter einst wesentlich strenger waren als heute, erreichte das Eis oft eine beachtliche Dicke von bis zu 25 Zentimetern. Jeder Brauerei war dabei ein fest definiertes Kanalstück zum sogenannten „Eisen“ zugeteilt, wobei sogar Betriebe aus dem benachbarten Beilngries zur Ernte nach Berching kamen. Mit großen Sägen schnitten die Männer die Platten aus der Fläche und zerschlugen sie anschließend mit Hacken in handlichere Stücke. Mit Pferdegespannen – meist auf Heuwägen – wurde das Eis dann von früh bis spät zu den Kellern transportiert.

Die größte körperliche Herausforderung bestand darin, die schweren Eisschollen in die tiefgelegenen Keller zu befördern. Das Ziel war es stets, die Einlagerung bis zum Roßmarkt um Lichtmess (2. Februar) abzuschließen. Obwohl der Lohn für diese Knochenarbeit eher gering ausfiel, war zumindest für eine gute Verköstigung der Arbeiter gesorgt.

Erst Ende der 1950er-Jahre endete die Tradition des Eisens. In Berching nutzte beispielsweise die Brauerei Neumeyer zunächst den heutigen Zehentstadel in der Probststraße als Lagerort, bevor sie später in den Eiskeller an der Gredinger Straße auswich.