Familie Winkler

Beim Reicherten

Alteingesessene wissen noch, was es bedeutete, wenn ein Berchinger meinte: „Ich bin dann beim Reicherten!“ Gemeint war, er gehe jetzt zum Winkler ins Wirtshaus. Das „Reichertenhaus“, Hs. Nr. 102, heute Reichenauplatz 22, hat seinen Namen von seinem Besitzer um 1693 bis 1727 Reichard (= Richard) Pettenkofer, Rotgerber, * 05.07.1646 in Berching, + 28.09.1725 Berching, Besitz: 1 Ross, 4 Kühe, 40 Schafe und 1 Schweinsmutter, dazu Brau- und Gastwirtschaftsrecht. Laut Häuserbuch Berching besaß er neben diesem Anwesen auch u. a. die Wirtsmühle und  den Hubhof. Mit seinen beiden Frauen hatte er 19 Kinder, sodass es nicht leicht ist, seine beiden Nachfolger Josef (Besitzer 1727 – 1779) bzw. Anton Pettenkofer (1779 – 1785)  in der Hausbesitzerreihe zu bestimmen.

Am 10.07.1818 übernahm dann Josef Knör das Anwesen. Der Name „Knör“ taucht in den Hausbeschreibungen schon Ende des 17. Jahrhunderts auf. Ab 10.07.1818 besaß dann sein Sohn Johann, ( * 02.07.1792) das Anwesen. Der Brauer errichtete 1826 ein eigenes Brauhaus und erhielt 1829 die Erlaubnis zum Gern- und Essigsieden, 1830 die Erlaubnis zum Weißbierbrauen: Brauerei Knör und Gasthaus „Zum schwarzen Bären“. Am 09.08.1856 übernahm Sohn Franz Xaver Knör, * 31.03.1824, verheiratet mit Katharina Hummel aus Simbach, das Geschäft. Auch er bekam die Wirtshaus- und Brauereikonzession.

Einen wirtschaftlichen Höhepunkt verzeichnete schließlich der letzte männliche Nachkomme dieser Hausbesitzerlinie. Andreas Knör, * 11.01.1860, verheiratet mit Anna Alberter aus Mantlach, besaß das Anwesen ab 22.08.1888 bis 08.05.1911. Im Jahre 1901 erbaute er eine Scheune, 1906 den Wirtschaftssaal, 1907 einen Eiskeller und 1910 eine Gartenhalle mit Kegelbahn. In den Jahren 1893/99 und 1902/08 gehörte er dem Stadtmagistrat an. Im Häuserbuch ist er als Besitzer von sieben Häusern vermerkt.

Die Tochter Fanny Knör, * 16.09.1889 in Berching, das einzige Kind, heiratete am 25.04.1911 den Brauer Hans Zimmermann aus der Vorstadt Nr. 185 (ehemalig Brauerei und Gasthaus Zimmermann), * 30.03.1884. Er übernahm und baute das Geschäft und Anwesen durch Zukauf von Anwesen und Grundstücken weiter aus. Durch Vergrößerung des Brauereibetriebes konnte er auch diesen Erwerbszweig merklich verbessern. Schließlich besaß die Familie allein auf dem heutigen Reichenauplatz fünf bedeutende Anwesen: das Rosenwirtshaus (Nr. 97), Hansörlhaus (Nr. 98), Reichertenhaus (Nr. 102) und Hirschenwirtshaus (Nr. 103), das sind die heutigen Häuser Reichenauplatz 20 – 23, dazu kam gegenüber das Anwesen Hutter, heute Reichenauplatz 1. Steinkrüge mit der Aufschrift „Zimmermann“ stammen aus dieser Brauerei. Hans Zimmermann gehörte seit 1919 dem Stadtrat an, 1929 wurde er zum 2. Bürgermeister gewählt. Von diesem Posten trat er 1933 wegen der sich ändernden politischen Situation von diesem Amt zurück.

Die Tochter Anna, * 28.07.1911 erbte als einziges Kind schließlich den Betrieb. Sie heiratete den Braumeister Josef Winkler aus Lengenfeld (* 05.11.1905). Dieser führte den Namen „Bärenbrauerei“ ein.

1992 eröffneten  Sohn Josef und Ehefrau Christa Winkler das neu errichtete „Altstadthotel“. Heute betreiben deren Tochter  Andrea Plank-Winkler und ihr Ehemann Markus Plank  Brauerei und Gastwirtschaft.

Unterlagen: Kirchenbücher der Pfarrei Berching, erweitertes Häuserbuch der Stadt Berching, Archiv Berching

Hubert Staudt

Familienfeier anlässlich des 90. Geburtstags von Andreas Krör am 11. Januar 1950.