Wenn in Berching die Rede von berühmten Berchingern ist, hört man hört man vor allem die Namen „Pettenkofer“ und inzwischen auch „Gluck“. Wie ich feststellen musste, ist vielen Berchingern der Name „Rumpf“ mehr oder weniger unbekannt. Es gibt ja auch bisher kein Gebäude, keine Straße, womit der Name dieser in der Geschichte Berchings so einflussreichen Familie in Erinnerung gebracht wird.
Ludwig Gernhard, der Verfasser einer zur 1000-Jahr-Feier viel gelesenen Berchinger Geschichte, merkt auf Seite 207 an: „Auch über diese ausgezeichnete Familie fehlen eine Menge einzelner Zeitangaben und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Zweigen.“ Jetzt, da die Kirchenbücher der Diözese Eichstätt online gestellt sind, habe ich versucht, zusammen mit meinem Kollegen im Berchinger Stadtarchiv Hans Dengler, diese Aufgabe anzugehen.
Eigentlich muss man gar nicht so weit nach Hinweisen in Berching suchen. Grabplatten sowohl in der St. Lorenzkirche wie in der Stadtpfarrkirche weisen auf wohltätige Familienmitglieder dieser sehr wohlhabenden Weihändlerfamilien hin. Eine Inschrifttafel an der Brüstung der Empore der St. Lorenzkirche nennt 1688 Johann Georg Rumpf, den einzigartigen Wohltäter und Restaurator dieses Gotteshauses. Sein Sohn Johann Georg (Epitaph, 1660 – 1736) heiratete 1681 Maria Sibille (Epitaph), geborene Schrehl (Schrell), Tochter des Eichstätter Probstes Christoph Schrehl. Dieser bemühte sich als Gönner der Franziskaner diesen Orden nach Berching zu holen. Dies gelang ihm aber nicht, da Joh. Georg I. Pettenkofer (1648 – 1736) seinen Einfluss geltend machen konnte und den Kapuzinern ein Kloster stiftete. Also errichtete er in Beilngries ein Franziskanerkloster. Ironie des Schicksals: Als die Kapuziner das Kloster in Berching aufgeben mussten, zogen später Franziskaner hier ein.
Auch das Berchinger Häuserbuch zeugt von der wohlhabenden Familie. Man kann den Namen „Rumpf“ in 19 Häusern finden. Viele große Bürgerhäuser gehörten dieser Familie, z. B. Stadtapotheke, Kreuzmühle, „Lufisches Gasthaus“, Gasthaus Traube, das ehemalige Huber-Haus, die ehemalige Bäckerei Geiler u. a. Auch die großen Häuser in der Vorstadt waren teilweise im Besitz der Rumpf (Salbeck, Singer, Donhauser u. a.). Interessant dürfte auch sein, dass das heutige Posthotel schon vor 1674 im Besitz der Familie Rumpf war, bis 1795 Albert Dallmayr die Witwe des Christoph Rumpf heiratete.
Ähnlich wie die Nachkommen der Familie Pettenkofer endet der Auftritt dieser Familie in Berching im 19. Jahrhundert. Den letzten Geburtseintrag fanden wir 1835, wo das illegitime Kind Michael am 28. November geboren wurde, jedoch gleich wieder verstarb. Die Mutter, Bürgermeisterstochter Antonia, verstarb ledig am 17.11.1874, ihr Bruder Franz Xaver als letzter Berchinger Rumpf fünf Jahre später ledig im Spital.
Die ledige Magd Walburga Rumpf, die 1950 in Altmannsberg verstarb, stammte aus einer Bauersfamilie in Euerwang, wo man heute noch den Namen „Rumpf“ findet ebenso wie in Hausen (Kirchenbücher von Greding).
Es ist nicht anzunehmen, dass die Familien „Rumpf“ und „Pettenkofer“ in Berching außer bei den Klostergründungen sehr stark als Konkurrenten auftraten. Immerhin hatten mindestens vier Rumpf-Männer Pettenkofer-Bräute, ebenso viele können in umgekehrter Richtung ausfindig gemacht werden.
Doch einen wesentlichen Unterschied zwischen beiden Familien stelle ich fest: Während wir die Pettenkofer teilweise geadelt in Würde und Ansehen in Städten wie Wien, Landshut, München und Dinkelsbühl finden, konnte ich bisher kaum hochgestellte Personen mit dem Namen „Rumpf“ ausmachen. Vielleicht kann dies ein geschätzter Leser dieser Zeilen ändern und noch mehr Licht in diese für Berching so geschichtsträchtige Familie bringen.
Verfasser Hubert Staudt
