Am 13. November 1906 hat der Gößwein´sche Konkursverwalter (Gößwein besaß im Haus Nr. 182, heute Bahnhofstr. 9, ein Gasthaus mit Brauerei) den Stadtmagistrat nachgefragt, ob die Stadtgemeinde Berching bereit sei, zur Errichtung eines Zementwerks einer Gesellschaft 25 Tagwerk Grund zu verkaufen.
Nachdem Die Stadt zugesagt hatte, wurde im Februar 1907 die Aktiengesellschaft „Portlandzementwerk Bavaria in Berching“ gegründet.
Im Mai 1907 begann dann der Bau des Zementwerkes. 1912 erhielt die Firma die Erlaubnis zur Erbauung eines Kalkofens, der sich aber nicht rentierte und bald wieder außer Betrieb gesetzt wurde.

Während des Weltkrieges 1914/18 war das Werk mit Heereslieferung bedacht und schon deshalb war die Aufrechterhaltung des Betriebes notwendig. Gegen Ende des Krieges halfen belgische Arbeiter, „die aber an Fleiß und Ordnungsliebe sehr zu wünschen übrig ließen“. 1919 schloss man sich dem süddeutschen Zementsyndikat an, diese Stelle verfügte aber noch im selben Jahr die vollständige Auflassung des hiesigen Werkes. Noch heute kann man Überreste der Seilbahn sehen, die von den Steinbrüchen im Osten der Stadt zum Zementwerk führte.
Nach Auflösung des Portlandzementwerkes Bavaria A.G. in Berching erwarb im Jahre 1919 der Thellus Conzern dasselbe und errichtete zunächst eine Aktiengesellschaft mit der Bezeichnung „Maschinen- und Waggonbau A.G. in Berching“, um in dem aufgelassenen Werk nach entsprechender Abänderung eine Eisenbahn- bzw. Waggon-Herstellungs- und Instandsetzungsanlage zu erstellen und mit deren Aufnahme auch den Vertrieb bzw. die Reparatur landwirtschaftlicher. Maschinen und Geräte zu verbinden. Das junge Werk wurde auch den ihm gestellten Anforderungen gerecht; 60 Schlosser, 45 Schreiner, Zimmerleute und Maurer und 40 Hilfsarbeiter fanden Beschäftigung. Die schlechte Konjunktur brachte die Stlllegung der Firma im Jahre 1925 mit sich.
1935 übernahm die „Mechanische Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg“ die Fabrik und gründete die Flachsröste GmbH. Bis ca. 1959 gewann man Leinsamen für Futterzwecke sowie Leinenfasern für Leinenstoffe. Wegen der Billigimporte aus dem Osten musste diese Produktion umgestellt werden auf die Herstellung von Futtermittelspezialitäten.
Ab 1964 nahm die Tochtergesellschaft „Recenta Leichtverpackungs GmbH“ die Produktion von Schaumstoffverpackungen auf.
2007 wurden die Produktionsanlagen der Flachsröste an die Firma EMDOKA verpachtet, die Tochter „Recenta“ produziert weiter Schaumstoffformteile, freistehende Hallen sind vermietet.
Weniger bekannt ist ein Bericht im Pollanter Kirchenbuch vom 22. Dezember 1906, ein Zementwerk Pollanten betreffend:
Sigmund Loewensohn, Fabrikbesitzer und Kaufmann und Kaufmann in Füth hatte im Sinn, „die östliche Flur, Feld und Wald, von Hartmanns Haus Nr. 41 bis zur Wescheid, sowie die Äcker über dem Kanal von der Geubrücke gegen Plank´s Felder“ zu erwerben, um eine Zementfabrik zu erbauen. Das Vorkaufsrecht wurde durch den Kipfenberger Notar verbrieft, da der Beilngrieser Notar „bei dem Berchinger Zement-fabrik-syndicat engagiert ist“. „Müller Plank, mit ca. 40 Tgw. beteiligt, verweigerte seine Unterschrift bis ihm garantiert wurde, daß das Fabrikgebäude nicht auf der Pollanter Espan, also südlich seines Anwesens, …., sondern nördlich zu stehen komme. Auch von der Kirchenstiftung kommen mehrere Tagwerk in Betracht. Wenige haben eine reservierte Haltung eingenommen (Zeller hat gar nicht unterschrieben), die große Mehrzahl jubelt.“
(Anmerkung unter dem Datum: April 1918 eingestellt)
(Quellen: Hausbeschreibungen, Aufzeichnungen der Flachsröste Berching GmbH, Kirchenbuch Pollanten)
Hubert Staudt
