Badesitten 1925

Männlein und Weiblein getrennt

Fritz Zistl, ein Altbürger Berchings — erinnert sich an das alte Bad

Berching. (g) Eigentlich wollten wir nur etwas über das alte Schwimmbad in Berching erfahren, das an derselben Stelle gebaut war wie das mit einem großen Kostenaufwand errichtete, in diesen Tagen eröffnete neue. Fritz Zistl, rüstiger Endsiebziger und bekannter Altbürger von Berching, tat uns diesen Gefallen. Gleichzeitig erzählte er uns eine Geschichte, bei der die junge Generation sicherlich nur ein mitleidiges Lächeln übrig haben wird.

Dies war so: Bei der Sulzregulierung in den 20er Jahren musste das ziemlich alte, ungefähr 200 Meter hinter der Flachsröste in einer Sulzschleife gelegene Schwimmbad „daran glauben“. Vornehmlich die jungen Leute haben damals darauf gedrungen, dass die durch die Sulzregulierung abhanden gekommene Bademöglichkeit ersetzt wird. Mit Hilfe eines „guten Freundes“, Oberbaurat Rich, gelang es, auf Kosten des Staates 1924 an der besagten Stelle ein neues Schwimmbad zu bauen. Dem Oberbaurat dankte man diese Tat mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Die 38 000 DM Badbaukosten „verschwanden“ in den Kosten der Sulzregulierung. Doch nun erzählt Fritz Zistl die „interessante Geschichte“, die nach seiner Aussage davon zeugt, „wie wir noch rückständig waren“:

Der Turnverein hat anlässlich seines 25jährigen Jubiläums ein großes Sportfest veranstaltet. Da war auch Schwimmen dabei. Siehe da, über 150 Damen von Regensburg, Weiden, Neumarkt und anderen Orten hatten sich zum Preisschwimmen angemeldet. Dies wurde vom Bischof untersagt. Der Bischof hatte in Berching schriftlich, und durch den Stadtpfarrer gemeldet, er komme nicht mehr zum Firmen nach Berching, wenn die Damen mit den Herren zu gleicher Zeit ein Schwimmfest feiern.

An die Wahrheit dieser schon beinahe „historischen Begebenheit“ erinnern nach Zistl’s Aussage noch einige Zeilen von damals. Doch lassen wir ihn weiter erzählen: „Zuerst sind’s recht tapfer gewesen, die Herren Stadträte. Bürgermeister Plank sprach von einer Ungeheuerlichkeit und äußerte sich in Sätzen wie: ‚Des laß’n mir uns net gfall’n.‘ Doch wie der Bischof melden ließ, dass er nicht mehr zum Firmen komme, „dann sind’s klein geworden“, erinnert sich Fritz Zistl und macht dazu den entsprechenden Fingerzeig.

Damals erheiterte sich die Jugend über die „gar ernst gemeinte“ Aussage eines Stadtrates, der in unwiderruflichem Tone feststellte: „Was der kummt nemma zum Firma? Den werma’s zoig’n. Da gemma auf Bachhauses und lernma’s den drob’n, der kon’s a.“ Dennoch kam man zu dem Beschluss, in dem neuen Schwimmbad zweierlei Badezeiten einzuführen. Der Nachmittag stand den Damen zur Verfügung und erst ab 6 Uhr abends durften die Herren der Schöpfung in das kühle Nass. Doch dieser Zustand passte vornehmlich der Jugend gar nicht.

In sämtlichen größeren Zeitungen der näheren Region veranlasste man große Artikel über die „Vorsintflutlichen Ansichten“ in der Stadt Berching in ihrem neuen Schwimmbad“, wie damals eine Überschrift einer Nürnberger Zeitung lautete. Danach hatten sich die Stadträte doch geniert und ihre „stillschweigende Duldung“ gegen Übertretung der festgelegten Sperrzeiten kundgetan. „Nachher ist nicht nur eine hineingegangen, nachher sind alle gekommen. Das Familienbad war eingeführt und der Bischof hat weiter gefirmt.“

Neumarkter Tagblatt, Juni 1967